Reiseblogs und Berichte

Reiseblog: AMSTERDAM

 

Kurz vor Ostern war es soweit - ich brach mit meiner Frau und meiner Schwiegermutter auf nach Amsterdam. Meine Vorfreude war groß, da ich schon viel über das nette (Groß-)Städtchen gehört hatte, aber selbst noch nie dort gewesen war.

 

Tag 1

Bei der Planung überlegte ich kurz mit dem Wohnmobil anzureisen, entschied mich aber dann doch für einen Flug. Über 900 Kilometer Fahrt für drei Tage Sightseeing sind auch für mich, der sehr gerne mit dem Auto fährt, einfach too much.

Also Flug bei easyjet gebucht. Kostenpunkt 78.- pro Person für hin und retour, meiner Meinung nach echt in Ordnung. Meine Flugangst hatte ich auch einigermaßen im Griff, zumal der Flieger ja flog und oben blieb! Lustig fand ich außerdem die Tatsache, dass die Schwiegermutter beinahe in Wien bleiben musste, weil bei der Sicherheitskontrolle sämtliche Detektoren anschlugen und sie gründlich auf Plastiksprengstoff untersucht werden musst. Fehlalarm - es war die Nivea Creme! Also rasch zum Flieger und Abflug!

 

Mit dem  Bus ging es zu unserem Hotel, welches zirka 30 Busminuten vom Flughafen Amsterdam Shipol lag. Das Hotel habe ich über booking.com gebucht und das war auch nicht teuer. Knappe 100 Euro für vier Nächte mit Frühstück. Wichtig war mir bei der Hotelbuchung aber nur die Lage und die war zwar außerhalb des Zentrums, aber trotzdem super an den Öffentlichen Verkehr angebunden. Ja, die Mädels haben schon geraunzt, weil die Luft im Zimmer nicht so prickelnd war und es sehr warm war und angeblich stark nach Seife roch, aber ich als Campingliebhaber lege wirklich nur auf ein Bett und das Dach über dem Kopf wert. Also sagen wir es hat gepasst.

Ins Zentrum kam man bequem mit der Straßenbahn Linie 1, ohne umsteigen. Es gibt ein 48-Stunden-Ticket für alle Öffis (Bus, Metro, Tram). Nach dreißig Minuten kamen wir am Hauptbahnhof, gleichzeitig einer der touristischen Hauptplätze, an und ließen uns von dem imposanten Gebäude beeindrucken. Die schönen rötlich schimmernden Farben und die einzelnen vergoldeten Elemente machen echt was her. Am Bahnhof selbst herrschte hektisches Treiben. Gefühlte 200.000 Fahrräder zischten an meinen Füßen vorbei, Menschenmaßen schoben sich Richtung Red Light District, dem Vergnügungszentrum von Amsterdam und überall lag ein sehr interessanter Geruch in der Luft.

 

Da wir uns für den ersten Tag außer einchecken und ankommen nichts vorgenommen hatten außer den Flair aufzusaugen, spazierten wir in das Vergnügungsviertel und beobachteten das Treiben. Überall hörte man englische Fußball-Schlachtgesänge, es roch angenehm nach Bier und eine entspannte Freude und ein Gefühl des Glücklichseins überkam uns - einfach so!Wir spazierten über den Rembrandtplein und den Buchmarkt Richtung Leidseplein und nahmen vor einer kleinen Bar Platz. Überall war dieses Friday-City-Feeling zu spüren und stimmte uns auf einen vergnüglichen Abend ein.

 

Tag 2

Am zweiten Tag brachen wir relativ früh in das Zentrum auf, da wir eine Runde mit dem Sightseeing-Bus durch Amsterdam drehen wollten um einen groben Eindruck von den Sehenswürdigkeiten zu bekommen. Das Ticket dafür kostete an die zwanzig Euro und war sein Geld schon wert, wobei man sagen muss, dass Amsterdam jetzt nicht unbedingt die vielen Sehenswürdigkeiten hat, welche mit dem Bus erreicht werden müssen. Man kann alles bequem zu Fuß erreichen. Dennoch erfuhren wir bei der Fahrt ein paar witzige Details und Geschichten. Warum etwa die Häuser solch seltsame Gibelbalken haben und nach vorne "hängen", wieso bereits Kinder in Amsterdam Bier tranken und, dass es Louis Bonaparte, Bruder Napoleons war, der Amsterdam zur Hauptstadt des Königreichs Holland erklärte, Regierungs- und Parlamentssitz sind aber immer noch in Den Haag. Da das Wetter nicht sonderlich schön war, wirkte die Landschaft ein bisschen trist, dennoch faszinierten uns die schönen Häuser an den drei bekannten Grachten Prinsengracht, Keizersgracht und Herengracht. Auch der Amstelkanal sowie das Rijksmuseum, Westerkerk und die Nieuwe Kerk beeindruckten uns sehr.

 

Wir stiegen bei der einzigen verbliebenen Windmühle direkt in Amsterdam aus und spazierten Richtung Schifffahrtsmuseum, Sciencemuseum und Dappermarkt. Auf dem Markt herrschte reges Treiben und es duftete wunderbar nach Süßem, Pikantem und Exotischem. Obst und Gemüse sahen ebenso schmackhaft aus, wie die vielen verschiedenen Käsesorten die angeboten wurden. Als Käseliebhaber wurde uns empfohlen, auf dem Markt zu kaufen und nicht in einem Käsegeschäft in der Stadt, da dort alles viel teurer sei. Ich steckte meiner Gattin fast einen Kilo Käse in die Handtasche und hoffte beim Heimflug für den Käse in meinem Reisekoffer Platz zu finden. Anschließend spazierten wir durch den Ostermarkt vorbei am Museumsplein, wo wir einen Straßenkünstler bei seinen Publikumsprovokationen beobachteten. Ich habe so etwas zum ersten Mal gesehen und fand es überraschender Weise recht amüsant. Anschließend ging es vorbei am  Rijksmuseum zurück ins Zentrum, wo wir den Blumenmarkt besuchten und einige Souveniers besorgten. Danach war es Zeit für ein gepflegtes Bierchen in einem sehr coolen, heruntergekommen Pub mit vielen verschiedenen Biersorten. Über den ganzen Boden, der ein Schiffsboden aus Holz war, lag Sand vertreut. Das saugt verschüttetes Bier auf und schützt das Holz, erklärte mir der Baarkeeper.  Am späten Nachmittag stiegen wir nochmals in den Bus und fuhren zurück zum Hauptbahnhof. Von dort ging es ins Vergnügungsviertel in einen Coffeeshop, samt Schwiegermutter! Da ich vor vier Jahren mit dem Rauchen aufgehört habe und meine Frau es mir gleich tat, trauten wir uns keinen Joint zu rauchen. Um aber zumindest ein bisschen "wild & crazy" zu sein entschieden wir uns, einen Hasch-Brownie zu kaufen. Das größte Stück für die Schwiegermum, die kleineren für mich und meine Gattin. Der Typ im Coffeeshop machte einen passend unseriösen Eindruck - was will man mehr? Er schmeckte echt lecker nur war von Berauschung nichts zu spüren, was vielleicht auch besser war.

Zum Ausklang dieses Abends schlenderten wir noch vorbei, an vielen "leichten" Damen in kleinen Auslagefenster, die normalerweise wahrscheinlich sexy tanzen sollten, aber eigentlich viel lieber am Smartphone rumpatschten, in Richtung Nieuwmarkt, wo wir noch einen Absacker tranken. Ziemlich erschöpft fuhren wir zurück ins Hotel, wo wir bald Schlaf fanden.

 

Tag 3

Am letzten Tag der uns zur Gänze zur Verfügung stand hatten wir einiges geplant. Wir wollten noch ins Anne Frank Huis, ins Amsterdam Museum zum Rembrandt Huis und schließlich ins Heineken Museum. Für das Heineken Museum hatte ich bereits am Tag zuvor eine fixe Zeit für den Zutritt gebucht, da man ansonsten sehr lange Wartezeiten in Kauf nehmen muss. Eigentlich wollte ich bereits vormittags ins Bier Museum, die Dame am Ticketschalter meinte aber sehr entgeistert: "At ten the museum is closed. Or do you mean am? Do you wanna get drunk at 10 am?" Zu meiner Verteidigung muss ich aber sagen, dass ich nicht wusste wie "interaktiv" die Führung ausfällt. Also lieber Nachmittag. Am Morgen starteten wir gleich zum Anne Frank Haus, da auch dort immer mit großen Wartezeiten zu rechnen ist. Das Gebäude in welchem sich Annes Versteck noch immer befindet und auch besichtigt werden kann, ist von außen sehr modern gestaltet und sieht irgendwie aus wie ein Bürogebäude. Irgendwie war die Stimmung, vielleicht weil ich das Tagebuch gelesen habe, sehr beklemmend. Ähnlich fühlte ich damals in Oswiecim beim Besuch des Konzentrationslagers. Es waren nicht besonders viele Leute vor dem Haus, aber leider erklärte man uns, dass Tickets nur online gekauft werden können. Gut, im Jahr 2018 nicht die ganz große Tragödie, zumal es guten WLAN-Empfang gab. Leider waren aber für die nächsten drei Stunden keine Karten verfügbar, weshalb wir kurzerhand beschlossen, etwas anderes zu unternehmen.

 

Wir folgten einer Fußtour aus dem Reiseführer, zu welcher es auch einen Audioguide gibt, welchen man sich unkompliziert aufs Handy laden kann. Die Tour führte vom Anne Frank Haus über die Westerkerk die Prinsengracht entlang zum Houseboat Museum und anschließend zum Amsterdam Museum. Der Eintritt war mit 13.-  Euro erschwinglich und das Museum bot allerhand Gemälde und eine interaktive historische Wanderung durch Amsterdam. Auch der neueren Geschichte (erste Homo Ehe, Radverkehr, Gayparad,...) wird ein interessanter Ausstellungsraum gewidmet. Gleich im Anschluss an das Museum spazierten wir über den Waterlooplein zum Jüdischen Museum und anschließend zum bekannten Flohmarkt am Waterlooplein. Wenn dir abends angeblich irgendwas gestohlen wird, kannst du es hier am nächsten Tag zurückkaufen. Da nun das Wetter besser wurde und viel Sonne rauskam, entschieden wir uns noch schnell eine Grachtenfahrt zu machen und marschierten dazu retour zum Bloemenmarkt, welcher bekannt für seine schönen Tulpen ist. Von dort aus kann man sehr einfach für 11.- Euro eine einstündige Fahrt durch die vielen Grachten machen, was wir auch taten. An Board gab es einen leckeren Becher Kaffee und jede Menge gut gelaunte Inder, welche einen Jahresvorrat an Heineken Bier kauften und Döschen für Döschen leerten. Leinen los, volle Fahrt! Diese spontane Bootsfahrt war ein richtiges Highlight und ich war froh, dass ich mich dazu entschieden hatte. Der Kapitän drehte das automatische Tonband kurzerhand ab und bot uns eine Tour, welche informativ, witzig und wirklich wunderschön war. In drei Sprachen erzählte er von den 62 Fahrzeugen die 2017 ins Wasser gefallen waren, von den betonierten Booten, welche Hitler bauen lies und die nun als Hausboot in den Grachten liegen, von den drei Kreuzen in der Flagge Amsterdams und vom Reichtum und goldenen Zeitalter Amsterdams. Nach einer Runde im Hafen ging es wieder retour zum Pier am Bloemenmarkt. Am Weg zum Heineken Museum aßen wir in einem Schnellimbiss Poffertjes, eine holländische Spezialität, die einer dickeren Mini-Version einer Palatschinke ähnlich sieht oder zumindest so schmeckt.

 

Im Museum luden wir uns eine App aufs Handy, welche interaktiv durch das Museum führt. Vom Gründer bishin zur aktuellen Firmeninhaberin bekamen die Besucher einen historischen Einblick in den Weltkonzern und internationalen Bierhersteller. Bei den Braukesseln durfte ich mich selbst als Bierbrauer versuchen, anschließend meine eigene Flasche designen, abfüllen und später auch käuflich erwerben. Oft mussten wir anstoßen und kosten, selber zapfen und hatten dabei jede Menge Spaß. Von Karaokeanlagen bishin zu Fotoboxen, Torwänden, etc... - für jeden war da was dabei. Leicht beschwipst taumelten wir durch den abschließenden Shop, wo ich meine abgefüllten Biere entgegennehmen durfte und mir einen Heineken Tonkrug kaufte. Der Eintritt ins Museum belief sich übrigens auf 18.- Euro, was ich, zumindest für meinen Teil, alleine im Getränkekonsum gutmachen konnte. Aber auch den Mädels gefiel der schrille Ausflug.

 

Nach der ganzen Action spazierten wir durchs abendliche Amsterdam zum Leidseplein, wo wir in einem mexikanischen Restaurant zu Abend aßen. Ich entschied mich für einen Burrito der wirklich lecker war, meine Frau nahm Spaghetti und die Schwiegermutter eine Pizza. Ganz billig war der Spaß nicht, so an die zwanzig Euro muss man schon pro Person , für ein Essen und ein Getränk, rechnen. Da wir an diesem Tag schon ordentlich marschiert waren, spürte ich auch schon ein bisschen die Beine und so fuhren wir mit der Straßenbahn ins Hotel zurück, wo es an diesem Abend wirklich - nun hatte ich es auch gerochen- sehr stark nach Seife stank. Das viele Heineken hatte mich aber zu müde gemacht um mich darüber zu echauffieren und so schloss ich zufrieden die Augen.

 

Tag 4

Am letzten Tag der Reise tat sich nicht mehr so viel. Wir fuhren mit dem Bus zum Flughafen, wo wir uns von einem jungen Mann noch schnell vor dem "I amsterdam"-Sign fotografieren ließen, da wir es in der City nirgends finden konnten (es gibt anscheinend mehrere, auch in der Nähe des Rijksmuseum). Kurz vor dem Check-In musste ich mit Bedauern feststellen, dass ich die zwei selbstgebrauten Biere nicht mit an Board nehmen durfte, da ich lediglich Handgebäck gebucht hatte und man ja nur Flüssigkeiten unter 100 Milliliter mitnehmen darf. Prost und ex, leere Flaschen in den Trolley und ab nach Hause.

 

Alles in allem war dieser Kurztrip wirklich wunderschön. Amsterdam hat viel Flair mit Multikulti-Charme, wirkt liberal, frei und aufgeschlossen. Die Menschen sind freundlich und es macht viel Spaß in der Stadt rumzulaufen, zu feiern oder Sehenswürdigkeiten zu betrachten. Gerne wieder, irgendwann sicher!

 

Im Anhang habe ich noch ein paar Bilder angefügt, viel Spaß beim Durchklicken!