Eine Plattform für Interessierte

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Was sich gerade so tut...

Zweites Schuljahr geschafft - Ein Bericht aus dem Alltag eines Lehrers...

 

Einstieg: Der Lehrer betritt das Klassenzimmer und bittet um Impulse zu einem Thema. Das Vorwissen der Kinder wird an der Tafel gesammelt, bevor in der Transferphase weitere Ergebnisse im Heft verschriftlich werden. Abschließend erfolgt eine Reflexion – soweit die Vorbereitung in den Theorien zu Unterricht und Schule. Der Alltag sieht aber freilich anders aus.

 

Es ist 04.30 Uhr mein Wecker klingelt und ich muss zeitig aus dem Bett, weil ich noch etwas für meinen Unterricht vorbereiten muss. Erst gestern am Abend habe ich erfahren, dass ich für eine Kollegin supplieren soll und noch einige differenzierte Übungen für meinen Unterricht brauche. In letzter Minute, ein Spätzünder könnten die Unkenrufe lauten, dabei hatte ich am Vortag schlichtweg keine Zeit. Die Fortbildungsveranstaltung hatte länger gedauert und ich hatte auch noch einen Stapel Aufsätze zu korrigieren, bevor ich mit meiner Tochter noch kurz in ihrem Lieblingsbuch schmökerte und am Abend zwar sehr glücklich, aber total ausgelaugt und fix und fertig ins Bett gefallen bin. Geschlafen habe ich auch nicht gut. Immer wieder habe ich nachgedacht, ob ich denn auch nichts für morgen vergessen habe. Dazwischen schlief ich immer wieder kurz ein.

 

Als Frühaufsteher ist das aber kein großes Problem. Ich komme mit wenig Schlaf aus und habe alles pünktlich geschafft. Es ist 06:30 Uhr, noch ein schneller Schluck Kaffee, ein Küsschen für Tochter und Gattin, rein ins Auto und ab zur Schule. Mein Unterricht beginnt zwar erst um 08:35 Uhr, aber ich muss noch ein paar Papierstreifen schneiden, laminieren und einiges kopieren. Der Kopierer ist übrigens am frühen Morgen ein sehr begehrtes Requisit der Schule. Da können sich schon kleinere Staus bilden. Die Wartezeit ist ok, ich habe sie ja einkalkuliert. Aber als der Kopierer meinen Zettel schluckt und die Meldung „Papierstau“ anzeigt, verfinstert sich meine Laune. Alle Fächer auf, Laden raus, Papier zurückdrehen, Rollen fixieren. Mit schwarzen Händen wie ein Rauchfangkehrer wage ich den nächsten Versuch. Drei Blätter kommen raus, dann ist kein Papier mehr drinnen. Der nächste Piepton strapaziert mein Nervenkleid. Es läutet. Zeit um in die Klasse zu fliehen.

 

Flucht ins Klassenzimmer

 

In der Klasse läuft es dann wie am Schnürchen. Die Kinder arbeiten konzentriert an ihren Aufgaben. Wir lesen einen Text und schreiben eine nette Bildgeschichte, bevor wir in Mathematik rechte Winkel zeichnen und den Unterschied zwischen Rechteck und Quadrat besprechen. Den Kindern macht es Spaß und das freut natürlich auch mich. Ein Kinderlachen und das Gefühl etwas vermitteln zu können sind für einen Pädagogen wahrscheinlich der schönste Lohn. Diese tolle Lernatmosphäre ist aber nicht immer da und kann manchmal trotz bester Vorbereitung auch nicht hergestellt werden. Vollmond spielt angeblich, so die augenzwinkernde Expertise der diensterfahrenen Kolleginnen, eine bedeutende Rolle.

 

Manchmal passen aber auch einfach die didaktischen Mittel und Methoden nicht. Das bemerkt man aber als Lehrer sofort, denn das Feedback der Kinder kommt unmittelbar. Positive Resonanz macht Freude und beflügelt mich zu neuen, kreativen Ideen. Die Rückmeldungen der Kinder können aber auch zerschmetternd ehrlich sein. In der sechsten Stunde meint eine Schülerin: „Herr Lehrer, das ist voll fad! Können wir das nicht anders machen?“ „Das ist alles? Ich habe geglaubt es passiert wirklich was!“, so eine weitere Stimme nach einem missglückten Forschungsversuch mit einem Backpulver-Vulkan. Natürlich könnte man das ignorieren und einfach weitermachen, aber da meldet sich der Entertainer in mir und flüstert: „Komm schon, das kannst du aber besser. Probieren wir es noch einmal!“ Also alles zurück zum Start und ein neuer Versuch. Klappt auch dieser nicht, muss man vielleicht die Stunde anders gestalten. Aber auch diese Erkenntnis ist für mich eine wichtige. Ja, es klappt wieder nicht!

 

Um 13.20 Uhr endet an diesem Tag mein Unterricht und ich wollte eigentlich gleich nach Hause fahren, aber ein Kind hat einem anderen Kind etwas kaputt gemacht und Handeln ist erforderlich. Im Gespräch wird eine Lösungsvariante erarbeitet, beide Schüler sind einverstanden und schütteln sich versöhnlich die Hände. „Gut gemacht“, meldet sich der Entertainer, der mittlerweile zum väterlichen Vorbild mutiert ist.

 

Beim Heimfahren denke ich noch über das Gespräch mit den beiden nach und überlege mir schon wie ich handeln werde, wenn sich einer der Schüler nicht an die Vereinbarung hält. Bin ich fair? Bin ich gerecht? War ich zu streng? Warum hatte der eine eigentlich während meines Unterrichts Zeit das Ding kaputt zu machen? War ich zu langweilig? Habe ich den Schüler überfordert oder gar unterfordert? Muss ich das alles hinterfragen oder wird sich die Erde auch ohne die Beantwortung dieser Frage noch weiterdrehen?

 

Nach der Arbeit ist vor der Arbeit

 

Ganz schön gerädert komme ich zu Hause an und setze mich gleich nach dem späten Mittagessen zu meiner Tochter, die gerade mit ihren Hausübungen beschäftigt ist. „Schreibt meine Tochter schöner als die anderen Kinder oder ist das schlampig?

 

Wieso bitte schreibt sie denn packen ohne ck? Üben wir zu wenig?“, lästert das väterliche Vorbild, welches mit zunehmender Tageszeit immer mehr zum Erbsenzähler wird, in mein inneres Ohr. Als ich gerade zum Meckern ansetze wirft mir meine Frau einen Blick zu, der mich dermaßen einschüchtert, dass ich es nicht wage etwas zu sagen und ich ziehe mich in mein Büro zurück.

 

Ein ganzer Raum voller Schulsachen, Computer, Drucker und Laminiergeräte, wie im Lehrerzimmer eigentlich nur mit weniger Lehrern und ohne Kaffeemaschine. Bevor ich meinen nächsten Tag noch einmal im Detail plane, recherchiere ich im Internet weswegen mein Experiment in der Schule nicht gut funktioniert hat. Der Essig war nicht hoch genug konzentriert, aha! Ich mache mir gleich Notizen und verstaue meine Unterlagen.

 

Ich blicke auf meinen Kalender und stelle fest, dass ich morgen noch Unterschriften im Mitteilungsheft anschauen muss, den Kindern eine Einladung austeilen und auch ihre Arbeitsblätter zurückgeben muss. Verzweifelt suche ich nach einer freien Stelle im Kalender, finde diese aber nicht und schreibe mir eine Notiz auf ein Post-it. Hoffentlich verliere ich das nicht, sonst bin ich verloren.

 

Dann setze ich mich an den PC und suche nach Materialien im Internet, downloade manche, ergänze oder ändere einige weil sie mir nicht gefallen oder schreibe überhaupt eigene Aufgaben zusammen. Wenn ich dann die Stunden grob durchgeplant und hergerichtet habe, beginne ich mit differenzierten Aufgaben für Schüler, die andere Übungen benötigen. Das viele Nachdenken ist oft ganz schön anstrengend und am späteren Nachmittag macht sich auch oft der mangelnde Schlaf bemerkbar. Wenn ich alles fertig habe, gehe ich meist noch eine Runde mit meiner Frau und der Tochter spazieren um den Kopf frei zu bekommen und Luft zu schnappen. Natürlich erzählen wir uns von unserem Tag und da gehört auch die Schule zwangsläufig dazu. Wenn der Tag super war und ich das Gefühl habe, dass die Kinder viel mitnehmen konnten, macht mich das glücklich. Ging aber etwas schief, zweifle ich an mir. Als Quereinsteiger habe ich ja schone einige Erfahrungen und frage mich manchmal, ob ich nun den richtigen Beruf ergriffen habe? Anstrengend ist es schon ist oft, so das Fazit, aber Spaß macht es auch.

 

Am späten Abend checke ich noch einmal meine Schultasche, damit ich nichts vergesse und alles für den nächsten Tag beisammen habe. Da fällt mir das Freundebuch einer Schülerin auf. Sie hatte es mir am Morgen gegeben und gebeten einzuschreiben. Ich blättere es durch und muss lächeln, als ich die ganzen Kinder der Schule sehe und lese was sie geschrieben haben. Heiterkeit macht sich breit und ich freue mich auf schon auf den kommenden Tag. Der Erbsenzähler meldet sich: „Auch wenn du oft fix und fertig bist, du hast deinen Traumberuf gefunden.“ Obwohl ich als Lehrer gerne korrigiere und ausbessere: Dem ist wirklich nichts hinzuzufügen.

 

Nachsatz

 

Natürlich ist nicht jeder Tag so stressig wie der beschriebene, aber gerade als Junglehrer will man sein Bestes geben und Engagement zeigen. Betrachte ich das vergangene Schuljahr insgesamt, blicke ich auf viele heitere und schöne Momente zurück. Ich habe viele Menschen getroffen, die das System Schule stetig weiterbringen und verbessern wollen. Viele Kolleginnen und Kollegen arbeiten Tag für Tag hart zum Wohle der Kinder. Wer glaubt es sei ein Leichtes, sich den Vormittag mit den Kids zu vertreiben, der irrt gewaltig. So fordernd und anspruchsvoll der Schulalltag auch ist, so sehr liebe ich ihn auch. Kein Tag ist wie der andere, keine Situation die gleiche. Trifft man seine Schüler in der Freizeit und sie lächeln einen an oder freuen sich den Lehrer zu sehen, dann weiß man, wozu das alles. Auf ein weiteres tolles Jahr, danke!

 

 

 

 

 


Das bin ich

Ich heiße Stefan Scheiblecker und liebe es zu kommunizieren. Sehr zum Leidwesen meiner Frau, denn sie muss auch die Teile meiner Kabarettprogramme hören, die es dann doch nicht auf die Bühne schaffen. Außerdem schreibe ich sehr gerne. Ich bin als Redakteur und Autor immer auf der Suche nach guten Storys und den Geschichten die das Leben schreibt. Neben Moderationen und Hochzeitszeremonien unterrichte ich auch als Lehrer an einer Neuen Mittelschule in Niederösterreich. In meiner Freizeit gehe ich gerne wandern, reise oder verbringe Zeit mit meiner Familie. Schau dir doch an was ich alles so treibe, ich freue mich!